Evangelische Kirchengemeinde Übersee-Bergen-Grabenstätt
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Auf ein Wort

 

Vertrauen und Loslassen

 

Liebe Gemeindemitglieder! Liebe Gäste!

 

Äußerst schmerzhafte und unverständliche Ereignisse geschehen in unserem Alltag immer wieder. Sie können uns das Vertrauen in Gottes gute Führung und in Seine Liebe durchaus bezweifeln lassen. Auch im großen Zusammenhang der Weltgeschehnisse müssen Leidtragende Trauer, Schmerzen und quälende Ungewissheiten aushalten und ihnen standhalten. Ein Blick in die Bibel ergibt Ähnliches: Sie erzählt, dass selbst Menschen, die Gott vertrauen, sich in Frage gestellt sehen. Insbesondere die Psalmen sprechen von der Not und Anfechtung vertrauender Menschen. Jesus spricht diese Erfahrung ebenfalls an, wenn er zu Petrus sagt: "Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre". Nicht einmal Petrus kann es alleine schaffen. Immerhin ist er derjenige, den Jesus als Fels beruft. Du bist der Fels, auf den ich meine Gemeinde bauen will. Petrus. Er kann uns ein Vorbild sein. In seiner Stärke. In seiner Schwäche. In seinem Wirken. In seinem Bekennen. Petrus ist derjenige, der sich für Jesus interessiert. Sich von Ihm ansprechen lässt. Petrus ist derjenige, der für Jesus aufsteht! So hat sich Petrus ein für allemal entschieden: "Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens! Und wir haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes". Am Eingang unseres Gemeindehauses in Übersee ist ein besonderes Motiv dargestellt: Es zeigt Petrus und Jesus. Es zeigt, dass Petrus im See Genezareth jämmerlich untergeht. Beinahe. Doch letztlich kommt ihm sein Vertrauen zugute! Petrus versucht, mitten im Sturm auf dem Wasser des Galiläischen Meeres zu laufen. Hin zu Jesus. Auch Jesus läuft mitten im Sturm auf der Wasseroberfläche. Jesus hatte den Petrus zu sich gerufen. Petrus hört es und steigt aus. Er verlässt das Boot. Der tobende Sturm war ihm kein Hinderungsgrund. Jesus kommt dem Untergang des Petrus zuvor. Er rettet den Petrus und zieht ihn zu sich. Die Dramatik ist kaum überbietbar. Auch später weiß Jesus genau, was Petrus nötig hat. Er schenkt ihm sein Versprechen: "Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre!" Es gibt wohl keinen Menschen, der Jesus sein Vertrauen schenkt, und die Fürsorge und Seelsorge durch Jesus selbst doch bleibend nötig hat! Wer von uns hätte es denn nicht nötig, dass Jesus für uns betend da ist, und auch uns betend hält, damit wir unser Vertrauen immer wieder neu wagen können? Wer von uns könnte schon behaupten, dass unser Vertrauen derart belastungsfähig wäre, dass es uns über alle Zweifel hinweg tragen könnte? Wer von uns könnte schon die Hand dafür ins Feuer legen, ob am Ende unseres Lebens die Fragen und der Zweifel vielleicht nicht doch stärker sind als unser Vertrauen? Doch andererseits: Können wir manchmal nicht wirklich staunen, dass wir immer noch vertrauen dürfen? Ich erinnere an ein Ereignis aus dem Jahr 1961, als im Kongo Dag Hammarskjöld bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam, seinerzeit Generalsekretär der Vereinten Nationen. Er musste sterben, obwohl er unermüdlich zwischen den verfeindeten Bürgerkriegsnationen im Kongo vermitteln wollte. In seinem erst nach seinem Tod veröffentlichten Tagebuch finden sich Sätze zu seiner Vertrauens-Haltung: Sein christlicher Glaube war für Dag Hammarskjöld ein Zustand des Gemüts und der Seele, im Sinne des Mystikers Johannes vom Kreuz, der sagt: "Glaube ist die Vereinigung der Seele mit Gott." In unseren Glaubensüberzeugungen halten wir grundlegende geistliche Erfahrungen fest. Diese sind jedoch keine Wirklichkeit, die unseren natürlichen Sinnen zugänglich ist und der wir mit natürlicher Logik beikommen können. "Erst viel später verstand ich, was das bedeutet. Als ich schließlich an diesem Punkt angelegt war, erkannte ich den Glauben, in dem ich einst erzogen worden war und der meinem Leben die eigentliche Richtung gegeben hatte, obwohl mein Verstand seine Gültigkeit bestritt, als meinen eigenen, persönlichen Glauben wieder". Vertrauender Glaube, wie Petrus ihn von Jesus her kannte, entsteht eher nicht im Blick auf das Universum und seine Gesetze und Geheimnisse. Vertrauender Glaube erwächst aus eher einem Beziehungsgeschehen. Vertrauen ins Leben kann sich entwickeln, wenn ich wie ein Mystiker, in mich hineinhöre und mich auf das Mysterium einlasse, das ich nur auf dem Grund meiner Seele finde. So die Erfahrung von Dag Hammarskjöld. Wie er, so können auch wir unser Vertrauen, unsere Hoffnung und unsere Liebe uns ganz persönlich aneignen. Und dann geschieht ein Wunder: "Bittet, so wird euch gegeben. Suchet, so werdet ihr finden. Klopft an, so wird euch aufgetan…Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen… Denn ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre!..." Wir sind daher in der Tat niemals auf uns allein gestellt, wir sind nicht allein gelassen, auf der Suche nach Gott und unserem Vertrauen zu Ihm. Wir sind nicht allein gelassen im Spagat zwischen Vertrauen und Glaube einerseits, und unseren Fragen andererseits. Es ist immer Jemand da. Für uns. Da ist einer, der für uns betet, dass unser Glaube nicht aufhöre. Es ist Jesus, der für uns leidet, stirbt, aufersteht. Er betet für uns und schließt uns so die Tür zum Himmel auf. In diesem Glauben müsste es sich doch vertrauensvoll leben und vertrauen lassen.

 

Liebe Gemeindemitglieder! Liebe Gäste! In den Gottesdiensten, Veranstaltungen und Glaubenskursen unserer Gemeinde haben wir die Möglichkeit, diese und ähnliche Gedanken miteinander zu teilen. Um die Erfahrung zu machen, dass es auch uns gilt, was Jesus verspricht: "Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre". Auf diese Zusage können wir uns verlassen. Und gewisse Dinge loslassen, die zum Leben und Vertrauen hinderlich sind. Damit wünsche ich Ihnen eine nachdenkliche Fastenzeit, einen gesegneten Karfreitag, und ein frohes Osterfest! Beglückende und tröstliche Ostertage! Denn: "Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!" Unser Alltag darf von dieser bleibenden und nachhaltigen Freude geprägt sein!

 

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Rudolf Scheller

 

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