Evangelische Kirchengemeinde Übersee-Bergen-Grabenstätt
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Auf ein Wort

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Ein Christfest ohne Weihnachten

 

"Diesmal muss es schon kurz nach unserem Sommerurlaub gewesen sein. Jedenfalls war es noch im September, da entdeckte ich die ersten Schokoladen-Nikoläuse in einem Schaufenster. Weihnachten - alle Jahre wieder und von Jahr zu Jahr früher! Freilich, manchmal gibt es wirklich Gründe, Weihnachten vorzuverlegen. Neulich erzählte mir ein Schweizer Freund, wie ein Dorf auf die Idee kam, Weihnachten zu einem früheren Zeitpunkt zu feiern.

 

Eine nicht allzu große Ortschaft irgendwo in der Schweiz. Ein Tante-Emma-Laden, eine Gastwirtschaft, eine Bäckerei, eine Zwergschule mit zwei Klassen, ein Elektrogeschäft und eine Pfarrkirche. In einem dieser Häuser lebt ein junges Ehepaar mit seiner kleinen Tochter Janine. Ein fröhliches Kind, bis sie eines Tages zu kränkeln beginnt. Müdigkeit, Kopfschmerzen, Fieber. Der Arzt aus der Nachbargemeinde untersucht sie, und weil er Schlimmes befürchtet, schickt er Janine in die Universitätsklinik nach Basel. Der Bescheid ist für die Eltern niederschmetternd.

 

Janine leidet an einer unheilbaren Blutkrankheit. Ihre Tage seien gezählt.

 

Die Eltern sind untröstlich, verzweifelt. Sie entschließen sich dennoch, Janine die Wahrheit zu sagen. Und sie wollen ihrem Kind die letzten Tage seines Lebens so schön wie möglich machen. Sie schlagen Reisen vor, Janine lehnt ab, sie wollen ihr schöne Geschenke machen, Janine lehnt ab. Die Eltern bitten sie, ihnen zu sagen, was sie sich wünsche. Janines Antwort: "Ich möchte noch einmal Weihnachten feiern." Die Eltern erschrecken. Weihnachten, das würde erst in ein paar Wochen sein! Nach Aussage der Ärzte würde ihre Tochter kaum so lange leben.

 

In ihrer Not vertrauen sie sich Freunden an. Sie überlegen und überlegen, schließlich entsteht die Idee: Das Weihnachtsfest soll in diesem Jahr am 1. Dezember stattfinden. Man würde es einfach vor-verlegen. Und so erzählen sie es ihrer Tochter. Janine, ein gescheites Kind, reagiert zunächst mit Misstrauen. Weihnachten schon am 1. Dezember? Aber Vater und Mutter sind auf diesen Einwand vorbereitet, und so weisen sie darauf hin, dass es mit Ostern ja auch so sei. Es sei auch nicht an einen festen Termin gebunden, sondern ändere sich von Jahr zu Jahr. Das leuchtet Janine dann auch ein.

 

In den nächsten Tagen gehen die Eltern von Haus zu Haus, bis das ganze Dorf ins Vertrauen gezogen ist. Und alle, alle machen mit. Der Bäcker beginnt gleich mit dem Backen von Lebkuchenherzen. Die Frau vom Tante-Emma-Laden stellt ihre Krippe ins Schaufenster, die Schulkinder machen sich daran, Christbaumschmuck zu basteln. Die Väter holen die elektrischen Eisenbahnen vom Dachboden, die Mütter bringen die Puppenstuben auf Hochglanz. Der Elektromeister nimmt mit dem Rundfunk Kontakt auf und verlegt die Kabel in die Häuser so, dass weihnachtliche Musik in allen Häusern des Dorfes erklingt. Das ganze Dorf macht mit. Auch der Pfarrer ist einverstanden, am 1. Dezember soll die Christvesper stattfinden. So feiert das Dorf an diesem Tag Heiligabend, genau 24 Tage vor Weihnachten. Zwei Tage später ist Janine tot. Aber Weihnachten wurde nicht mehr gefeiert.

 

Eine große Geste für ein kleines Kind. Eine Geste voller Phantasie, wie sie nur aus Einfühlsamkeit und Liebe kommen kann. Gewiss, seit dem 6. Jahrhundert feiern wir in Europa den Heiligen Abend am 24. Dezember, seit dem 16. Jahrhundert haben wir einen Namen dafür: "Weihnachten." Aber es gibt ein Christfest vor der Zeit und auch nach der Zeit. Jenseits des Kalenderdatums und ganz ohne Schokoladen-Nikoläuse. Es ist ein Christfest, ganz unzeitlich und doch ganz zeitnah. Ein Christfest ohne Weihnachten."

 

Mit diesen Gedanken von Waldemar Pisarski, entdeckt im Büchlein "Geöffneter Himmel", grüße ich Sie zu Advent, zum Christfest und zur nachweihnachtlichen Freudenzeit!

 

Ich grüße Sie ferner mit dem Hinweis, dass wir unsere Gottesdienste an den Weihnachtstagen ab dem 24. Dezember 2020 in gewisser Weise ähnlich, also "anders" und "ungewohnt" feiern werden müssen. Aufgrund der dann gültigen Corona-Pandemie-Bedingungen. Achten Sie bezüglich unserer Weihnachts-Gottesdienste bitte auf die jeweils aktuellen Pressemitteilungen. Denn zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses dieser Gemeindebrief-Ausgabe musste die endgültige Gottesdienst-Planung offen bleiben.

 

Ihnen allen und Ihren Lieben wünsche ich eine besinnliche und gesegnete Advents- und Weihnachtszeit. Ich wünsche uns allen, dass wir in schweren Tagen Trost und Hilfe vom Himmel her erfahren. Dass wir uns im Alltag eine tiefe Dankbarkeit bewahren. Dass wir uns um Einfühlsamkeit bemühen und uns von Gedanken der Liebe leiten lassen. Und alles dafür tun, uns auf das Jesuskind in der Krippe zu besinnen. Dieses Jesuskind zur Hauptsache unseres Lebens machen. Unser Licht der Welt. Unser Licht des Lebens.

 

Herzlich, Ihr Rudolf Scheller

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