Evangelische Kirchengemeinde Übersee-Bergen-Grabenstätt
Evangelische KirchengemeindeÜbersee-Bergen-Grabenstätt

Auf ein Wort

 

Liebe Gemeindemitglieder!

Liebe Gäste!

 

"Den Seinen gibt's der Herr im Schlaf"

Von der "Fülle des Lebens"

 

"Es ist merkwürdig - und ist mir auch persönlich zu einer Überzeugung geworden, die vom Leben auf Schritt und Tritt bestätigt wird - dass ich zu der größtmöglichen Entfaltung meiner Persönlichkeit gerade dann nicht komme, wenn ich diese Erfahrung will, wenn ich mir also ständig überlege: Wo habe ich eine Chance, mich auszuleben? Wo kann ich gesellschaftliches Prestige gewinnen? Wo kann ich ein Maximum an Leistung erreichen und wo die höchste Lust erleben?

 

Vielmehr komme ich nur dann zur wahren Erfüllung meiner Persönlichkeit und meines Lebens überhaupt, wenn ich an diese Entfaltung gar nicht denke, sondern wenn ich mich - gleichsam selbstvergessen - einem anderen zuwende, einem anderen Menschen oder auch einer Aufgabe, kurz, wenn ich also diene und liebe und in beidem nicht an mich selbst denke.

 

Es gibt eben Dinge im Leben - und dazu gehört die Erfüllung der eigenen Persönlichkeit - die man nicht direkt wollen kann und die einem sozusagen nebenbei, wirklich als "Nebenprodukt", zuteil werden. Nur einer, der liebt und nicht an sich denkt, findet sich gerade - und umgekehrt: Wer sich selbst sucht, ist immer der Geprellte.

 

Auf dieses merkwürdige Geheimnis unseres Lebens hat Jesus aufmerksam gemacht, wenn er sagt: "Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen." Das heisst doch: Wem es wirklich und ernsthaft, wem es sozusagen elementar um Gott geht, der bekommt nebenbei alles andere mitgeschenkt, dem gibt er Brot und Freunde, dem schließt er Tore in seinem Beruf auf und den überschüttet er mit der Fülle des Lebens.

 

Wer selbstvergessen seiner Aufgabe dient, wer ohne Rücksicht auf eigene Verluste denen dient und denen liebend nahe ist, die ihm Gott als seine Nächsten auf den Weg gestellt oder auch hilflos vor die Füße gelegt hat, der empfängt Freuden, Heiterkeiten und Reichtümer, die er nie gefunden hätte, wenn er sie unmittelbar und in egoistischer Gier gesucht hätte.

 

Wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; wer es aber hingibt und gerade nicht sich selbst und sein Leben will, der ausgerechnet findet sich und nebenbei dann auch noch das Schöne im Leben, ja das Interessante und Attraktive. Gott schenkt das Größte immer nur "nebenbei". Das muss man sich merken.

 

Ich würde sagen, dass sich das schon in unserem Lebensstil ausprägen muss. Wer morgens bereits mit dem Gedanken aufsteht: Wie kann ich heute möglichst viel in meine Tasche hineinwirtschaften? Was kann ich für meine Karriere, meine Sicherheit, meine Vitalität tun? - und wer nebenbei dann noch denkt: Später, wenn ich das alles erreicht habe, will ich mir auch Zeit nehmen, fromm zu sein und meiner Bank einen Dauerauftrag für Bethel oder andere edle Werke geben; ich behaupte:

 

Wer so denkt, der hat von Anfang an eine falsche Kalkulation aufgestellt, der findet die Erfüllung seines Lebens gerade nicht. Auch bei dem in Aussicht genommenen, frommen Happyend seines Lebens, bei dem geplanten Stelldichein mit Gott auf den sanften Auen der Saturiertheit ist er auf jeden Fall der Geprellte.

 

Wenn Gott nicht das Erste, das Elementarste in unserem Leben ist, so entweicht er uns ganz, oder wir erleben ihn als gespenstische Unruhe, die von den Rändern her in unser Leben hereinstrahlt.

 

Darum meine ich, dass wir schon den Tag mit ihm beginnen müssten - weil eben das Wichtigste und Programmatische immer an die Spitze gehört -, dass wir ihm alles anzubefehlen hätten: Was wir heute zu treiben gedenken, unsere Ehe, unsere Kinder, die Menschen, mit denen wir heute zu verhandeln und mit denen wir zu arbeiten haben, und unseren kranken und einsamen Nachbarn, der unserer Hilfe bedarf.

 

Wir halten jedenfalls fest: Nur diejenigen, die gerade nicht sich selbst suchen, finden sich. Nur wer ganz einfach liebt und nicht an sich selbst denkt, gewinnt die Fülle auch seines eigenen Lebens. Gott schenkt das Beste mit der linken Hand, und "den Seinen gibt's der Herr im Schlaf"."

 

Mit diesen Gedanken zur "Fülle des Lebens" von Helmut Thielike ("Andere Zeiten", "Wie die Träumenden") grüße ich Sie und wünsche Ihnen und Ihren Angehörigen eine nachdenkliche, jedoch auch frohe, Oster- und Sommerzeit. Ich wünsche uns, dass wir Gott jeden Morgen zum Ersten und Elementarsten unseres Lebens machen.

 

Dass wir uns Tag für Tag darum bemühen. Als ob alles von uns abhinge. Jedoch in der Gewissheit, dass es Gottes Liebe ist, und seine Barmherzigkeit, von der dann tatsächlich alles abhängt. Die "Fülle des Lebens" ist uns gegönnt. Und Gott schenkt sie uns immer nur "nebenbei".

 

Dieses Geschenk zeigt sich insbesondere durch das Ostergeschehen! Gott hat Jesus auferweckt! Deshalb können auch wir, schon jetzt, immer wieder auferstehen. Aus den Gräbern dessen, was uns wieder und wieder auch misslingen mag, trotz bester Absichten. Wagen wir dieses Leben! Wagen wir es, tatsächlich dem zu vertrauen, von dem die Bibel sagt: "Den Seinen gibt's der Herr im Schlaf". Und von dessen Liebe und Fülle des Lebens uns tatsächlich Nichts zu trennen vermag!

 

Mit diesen Gedanken grüße ich Sie herzlich,

 

Ihr Rudolf Scheller

Hier finden Sie uns

Evangelische Kirchengemeinde Übersee-Bergen-Grabenstätt
Grassauer Str. 19
83236 Übersee

Kontakt

Rufen Sie einfach an unter

 

Pfarramt: 08642 / 992

Pfarrhaus: 08642 / 993

 

oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Kirchengemeinde Übersee